Aufmerksamkeit lernen

Auf einer Skala von 1-10, wo würdest Du Dich in puncto Aufmerksamkeit einordnen? Im normalen Alltag schätze ich mich bei 4-5 ein. Woran liegt das? Unser Gehirn schaltet sehr gerne in einen energiesparenden Automodus um. Sich wiederholende Situationen erkennt es und reagiert auf Grund von Erfahrungen automatisch. Das ist sehr praktisch in vielen Bereichen unseres Lebens.

Ein guter Klavierspieler spielt im Automodus, er denkt nicht darüber nach, welche Tasten er mit welchen Fingern betätigt, dafür bleibt ihm gar nicht genug Zeit. Beim Tischtennis ist schnelle Reaktion gefragt, und wenn ein Stürmer vorm gegnerischen Tor anfängt zu denken, geht die Sache meistens schief. Wenn wir Auto fahren, läuft vieles automatisch ab. Wir kennen unseren Arbeitsweg, registrieren nur scheinbar wesentliche Dinge und handeln dann nach einem Schema. Dabei bilden wir uns noch ein, wir fahren aufmerksam.

Fährst Du mit dem Auto zur Arbeit? Was gab es bei Deiner letzten Fahrt an Besonderheiten zu berichten? Ich meine nicht den Bus, der Dich beim Vorankommen hinderte, sondern Dinge wie blühende Bäume, den Sonnenaufgang, ein neues Geschäft, ein neues Plakat mit einer Veranstaltung, was gab es heute, was sonst nicht war? Gab es bei der Arbeit etwas, was den Tag besonders machte? Beim Einkaufen, beim Gang durch die Stadt?

Ich bekomme oft nur mühsam einiges zusammengezählt. Gehe ich mit Elvira durch die Stadt, entdeckt sie oft etwas, auf das sie mich lautstark aufmerksam macht. Ich blicke mich dann oft fragend um und sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht. Von unserem Kulturverein hängen zahlreiche Plakate in den Schaufenstern der Stadt. Wir haben bei einem Stammtisch mal danach gefragt, wer diese registriert und kamen zu unserem Erschrecken auf lediglich 10-15% der Anwesenden. Ich behaupte, es liegt nicht am Layout der Plakate, sondern an mangelnder Aufmerksamkeit.

Im Urlaub ist das anders. Wenn wir an einem unbekannten Urlaubsziel sind, ist alles neu für uns. Wir nehmen wieder jede Einzelheit wahr: den Weg zur Unterkunft, die Geschäfte, die Restaurants, die Plakate mit den Freizeitangeboten. Wie schön sind doch die Vorgärten gestaltet und was für tolle Pflanzen stehen dort und erst die Schmetterlinge, die sich darauf tummeln. Kinder quengeln, während die Eltern teils mehr oder weniger genervt reagieren. Wenn wir eine Brücke überqueren, finden wir Zeit um stehen zu bleiben und ins Wasser zu blicken. Sieht man dort Fische? Wir erklimmen einen Aussichtspunkt und betrachten die Schönheiten der Landschaft.

Wir werden wieder Kind, sammeln Eindrücke, saugen alles auf, ohne dabei ständig auf die Uhr schauen zu müssen. Mit dieser Aufmerksamkeit haben wir am Abend viel mehr Erinnerungen zu verarbeiten. Wir haben mehr erlebt und dem Tag mehr abgerungen, ihn scheinbar verlängert. Das klingt paradox, denn gerade die Urlaubszeit fliegt oft nur so dahin.

Milan

Über meine Urlaubs- und Wochenendreisen mache ich mir zahlreiche Notizen. Es sind weit mehr, als ich später verarbeite. Ich empfinde Freude daran, es hilft mir, das Leben in vollen Zügen (damit meine ich nicht »Die Bahn«) zu genießen. Ich möchte auch wieder mehr Aufmerksamkeit in meinen normalen Tagesablauf bringen. In einer Buchhandlung entdeckte ich letztens ein Buch, gespickt mit Ideen zum Nachmachen und Ausprobieren. Ich habe bisher lediglich die Einleitung gelesen und dazu die erste Aufgabe: »Lerne Atmen« das klingt leicht. Unsere Atmung ist zu flach und wir geben dem Körper damit nicht das volle Volumen an Sauerstoff. Laut Übungsanleitung soll man 5 sec. einatmen, 6 sec. anhalten und 7 sec. ausatmen. Es ist mir unangenehm und ich ändere die Sache eigenmächtig auf langes Ein- und Ausatmen ab. Mehrmals am Tag, bereitet mir schon Probleme, denn meist denke ich nicht daran. Mehr Selbstdisziplin Thomas, am besten, du schreibst darüber, dann ist es im Kopf.

So entstand die Idee für diesen und die nächsten Artikel. Welche Aufgaben noch auf mich zukommen, weiß ich nicht, ich habe absichtlich nicht weiter im Buch gelesen, nicht dass ich aufgebe, bevor ich begonnen habe. Aber ich werde weiter berichten und vielleicht hat sogar der Eine oder Andere von Euch Lust mitzumachen und teilt mir dann seine Eindrücke mit. Die Sache mit dem Atmen soll man wie gesagt täglich mehrmals zelebrieren, ich werde daran arbeiten.

Wir haben Mai, die Natur ist in ein neues Kleid geschlüpft und es gibt so viel zu Entdecken.
Ich fange dann schon mal an...

 

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