Ein Meer vor dem Meer

Ans Meer fahren, mal auf die Schnelle, so am Wochenende. Lohnt sich das denn bei dem Verkehr am Freitagabend und Sonntag schon wieder zurück? Wie gut, dass es in der Nähe von Hannover schon ein Meer vor dem Meer gibt, das Steinhuder Meer. Zugegeben, es hat nicht alles, was man von einem Meer erwartet, aber es ist deutlich besser zu erreichen. Unterkünfte gibt es reichlich und wir buchten ein Appartment, da wir dort auch einiges an Schreibarbeit erledigen wollten.

Im Appartmenthaus Nani war bei unserer Ankunft zwar keine Rezeption mehr besetzt, aber ein Umschlag mit Schlüsselkarte und Informationen zu Auffinden des Zimmers lag im Tresor bereit. Die Nummer zum Öffnen wurde mir zuvor per Mail mitgeteilt. Der erste Gang am späten Nachmittag führte uns natürlich gleich erst ans Wasser. Jetzt im November wirkte zwar alles trist und trüb, aber irgendwie hat das auch was Besonderes. Der Wind wehte uns tüchtig um die Köpfe und zog bis durch die Jacke. Es verleiht einem so ein „reinigendes Gefühl“, als ob er die Sorgen und Probleme von einem weht. Ich finde, es wirkt irgendwie befreiend.

Danach zogen wir durch das keine aber feine Städtchen Steinhude, um die besten Gaststätten für den Abend auszukundschaften. Die Fischräuchereien waren gerade dabei, ihre Verkaufsstände zu schließen, dazu setzte auch noch Regen ein. Es war nicht allzu viel los im Ort, denn auch die Reisebusse waren um diese Zeit alle wieder weg. Aber bei den reichlichen Angeboten an Meeresfischen und beim Räuchergeruch, gemischt mit der Seeluft, bekam man langsam das Gefühl, wirklich am Meer zu sein. Wir entschieden uns für das Restaurant »Alter Winkel«. Ein uriges ruhiges Restaurantstübchen, in dem wir sehr gut bedient wurden und uns eine prima Scholle serviert wurde.

Im Anschluss schlenderten wir im dunkel des Abends noch einmal über durch das Scheunenviertel. Dort erregte eine Vinothek unsere Aufmerksamkeit, und nach Lektüre der Speisekarte stand für uns fest, hier essen wir morgen. Den zweiten Tag nützten wir für einen ausgiebigeren Besichtigungsrundgang. Zuerst einmal zog es uns auf die Badeinsel. Sie wurde künstlich angelegt, mit Sandstrand, Liegewiesen und zwei Spielplätzen. Der Wind peitschte heute nochmal wesentlich kräftiger, Sturmtief Irma war im Anzug.

Über den Ortskern ging unsere Wanderung weiter am Wasser entlang in Richtung Westen. Unerwartet befanden wir uns dort im Windschatten und es war recht angenehm. Der Blick ging frei über das Steinhuder Meer. Man sah die Insel Wilhelmstein, auf welcher sich eine Gastronomie und eine Festung befinden und die ein beliebtes Ausflugsziel darstellt. Der See ist auch nicht so groß, dass man die andere Seite nicht sieht, die Niedersachsen hauen mit der Bezeichnung Meer also mächtig auf die Pauke. Aber der Ursprung der Bezeichnung liegt in der plattdeutschen Überlieferung.. Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt lediglich 1,5 Meter.

Jakobs Cafe

Zurück im Ort kehren wir ein, in Jakobs Café, welches mit Jacobskaffee allerdings nichts zu tun hat. Der Inhaber beginnt gerade damit, seinen Kaffee zu rösten. Wir setzen uns an den Tisch direkt neben die Röstmaschine und bombardieren den Chef mit Fragen, welcher dieser bereitwillig und fachkundig erklärt. Die Hoffnung auf den Duft frischer Röstaromen müssen wir allerdings schnell begraben, denn zum einen sorgen Abluftvorrichtung für Abzug, zum anderen entfaltet der Kaffee erst etwas später sein volles Aroma. Das Café ist sehr stylisch eingerichtet, im mediterranen Stil. Die kleine Speisekarte verleitet uns dazu zwei Suppen zu verzehren, die sehr hübsch angerichtet im Einweckglas serviert werden und fantastisch schmecken. Unbedingt empfehlenswert auch die selbstgemischten Kaffeesorten verschiedener Herkünfte. Das Stübchen befindet sich in der Nähe der Buswendeschleife in der Ortsmitte.

Der Chef erzählt Wissenswertes über den Kaffee

Anschließend besichtigen wir das Fischer- und Webermuseeum nur zwei Straßen weiter. Hier findet sich noch sehr viel Ursprüngliches aus den vergangenen Zeiten. Besonders Stolz ist man dort auf das gewebte Hemd ohne Naht. Für mich war auch die Spielzeugausstellung in einem rückwärtigen Gebäude sehr interessant. Ich war erstaunt, mit vielen Dingen davon ich selbst als Kind gespielt habe. Man durchlebt bei der Betrachtung wieder Phasen der eigenen Kindheit.

Das Scheunenviertel, hinten die Vinothek

Für den Abend hatten wir Plätze in der Vinothek im Scheunenviertel reserviert. Die 13 alten Scheunen wurden zur Expo 2000 wieder aufgebaut und beherbergen nun unter anderem die Tourist-Info, die Naturparkinfo, Kunst, Gastronomie und diverse Geschäfte. Auf dem Mittelplatz finden regelmäßig zahlreiche Veranstaltungen statt. Weitere Attraktion ist das Schmetterlingshaus, ein Anziehungspunkt für Jung und Alt.

Die Bewirtung in der Vinothek war hervorragend, und obwohl die Chefin krankheitsbedingt die Bedienung alleine übernehmen musste, lief alles wie am Schnürchen. Selbst für ein paar nette Worte nahm sie sich die Zeit. Sollten wir mal wieder nach Steinhude kommen, dann mit Sicherheit auch wieder in die Vinothek. Ein guter Wein beendete einen wunderbaren Herbsttag, in dessen Nacht der Sturm Irma für einige Verwüstung und ein Chaos bei der Bahn sorgte.

Unser Fazit: Es war ein kurzes, aber lohnenswertes Wochenende. Steinhude bietet das Richtige für jeden Geschmack und ist daher nicht umsonst so beliebt als Ausflugsziel zahlreicher Busunternehmen. Es gibt überall lecker Räucherfisch und kleine Geschäfte mit Charme bieten etliche Besonderheiten an, die nicht überall angeboten werden.

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