Schlafmohn zieht Menschen nach Germerode

Schlafmohn

Germerode ist ein kleines Örtchen, östlich von Kassel. Es besitzt einen Wildtierpark und ein beschauliches Kloster, aber das haben andere Orte auch. Neuerdings herrscht dort Ende Juni der Ausnahmezustand. Menschen werden mit Bussen herangekarrt, auf dem Parkplatz finden sich Autokennzeichen aus Frankfurt, München, Stuttgart und sogar aus Dänemark. Dann blühen hier, mitten in Deutschland, Pflanzen, die man sonst auf unseren Feldern vergeblich sucht. Ein findiger Landwirt baut dort Schlafmohn an.

Schlafmohn

Dafür bedarf es allerdings einer Genehmigung, natürlich, hier herrscht ja Ordnung und Bürokratie, schließlich ließe sich ja aus den Gewächsen Opium gewinnen. Aber die Menge wäre viel zu gering, so steht es zumindest auf einer der zahlreichen Schautafeln. Nicht das am Ende ein paar Junkies über Nacht die reifen Kapseln klauen.

Schlafmohnfeld

 

Die Blüte war in diesem Jahr schnell vorbei, das Wetter war ja super. Ich habe leider zu lange gewartet, da mir zehn Tage zuvor jemand sagte, die Knospen sind noch zu. Als ich mir die Pracht dann besehen wollte, waren aus den Knospen walnussgroße Kapseln geworden und die wenigen violetten Blütenblätter, die noch hilflos im Wind flatterten, konnte man zählen.

Schlafmohn

Ich fand dies jedoch nicht tragisch, schlenderte den eigens angelegten Entdeckerpfad durch die Mohn- und Getreidefelder entlang. Unter den Mohnkapseln standen Massen an Kamille in voller Blüte und verströmten weithin ihren Duft.

Kamille

Zum ersten Mal sah ich Grannenweizen, durchsetzt mit blauen Blüten der Kornblumen, auf denen Bienen und Schmetterlinge um die besten Plätze stritten. Daneben ein Dinkelfeld, dahinter Triticale, einer Mischung aus Weizen und Roggen.

Grannenweizen

 

Grannenweizen
Grannenweizen

Kornblumen

Auf einer kleinen Streuobstwiese fanden sich die verschiedensten Apfelbäume, die auf Bildtafeln erläutert wurden. Es gab sogar eine Sorte, aus meinem Nachbarort Trendelburg.

Die Feldwege waren mit Stroh ausgelegt, damit die Schuhe sauber bleiben, wenn es regnet. Aber der Regen blieb rar in diesem Jahr, zum Leidwesen der Landwirte und auf vielen Feldern im Umkreis ist die Gerste am 3. Juli schon vom Acker.

Felder
Wer nicht laufen will oder kann, wird mit dem Planwagen durch die Felder gekarrt.

Mohnkaffee

Für das leibliche Wohl ist natürlich auch gesorgt, manche Gruppen stürzten von den Bussen aus direkt zu Kaffee und Mohnkuchen. Am Grill gab es Mohnbratwurst, daneben andere Produkte vom Mohn, Öl, Pesto, Honig usw.

Bank im Feld

Ich bin sicher, die Geschichte dort wird in den nächsten Jahren noch tüchtig erweitert. So kann man den Leuten Landwirtschaft wieder näher bringen, vor allem, so macht Landwirtschaft Spaß. Man lernt, die Produkte wieder mehr zu schätzen, versteht vielleicht, dass Qualität auch ihren Preis haben muss.

offene Tür im Feld

Nebenbei ist hier auch ein kleines Insektenparadies entstanden, denn Felder zwischen denen noch Klatschmohn uns Kornblumen blühen, sind rar in Deutschland. Ich bin sicher, ein Blühstreifen an jedem Feldrand, wird keinen Bauer am Hungertuch nagen lassen. Aber das Thema wäre jetzt eine längere Geschichte.

 

Vor der Rückfahrt blieb noch etwas Zeit, um das Kloster in Germerode zu besichtigen.

Kloster Germerode

 

Die schlichte kleine Kirche hat mir sehr gut gefallen.

Klosterkirche Germerode

 

Auf dem Dachboden über dem Klostercafé gab es eine Ausstellung mit dem Thema: »Das Kleid meiner Mutter«. Kleider, die vor 60 bis 100 Jahren von Müttern getragen wurden, in Ehren gehalten von den Töchtern. Jede der Töchter schrieb dazu ihre Erinnerungen, ein lebendiges Bild, vergangener Zeiten.

Das Kleid meiner Mutter

 

Im nächsten Jahr wird dort wieder der Schlafmohn blühen und damit auch Ihr den Termin nicht verschlaft, tragt ihn in Euren Kalender. Es lohnt sich.

 

Blühstreifen

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