Südafrika – Nutztierhaltung in idyllischer Landschaft

Stall in Südafrika

Land und Leute erleben in Südafrika. Speziell geht es um die Bedingungen und Probleme in der Landwirtschaft. Wir reisen mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe durch ein Land, dass sich im Umbruch befindet. Noch immer sind die Auswirkungen der Apartheid spürbar und gleichzeitig kämpft man mit einem riesigen Zustrom an Flüchtlingen. Wir lernen viel auf dieser Reise, Gutes und Schlechtes, Heiteres und Erschreckendes. Doch am Ende steht immer wieder die Hoffnung und Zuversicht. Die Menschen besitzen nur wenig, aber ihr freundliches Lachen wirkt wie die Strahlen der Sonne.
Kommt doch mal mit auf meine Reise...

Tag 1: Donnerstag
Punktgenau um 8.00 Uhr landen wir in Johannesburg.

Vor dem Flughafen wartet Ashley mit seinem kleinen Bus auf uns. Wir, das sind zwanzig Reisende einer Studiengruppe, die mehr erfahren wollen über die Landwirtschaft in Südafrika. Daher verlieren wir auch keine Zeit und fahren durch das Verkehrsgewimmel von Johannesburg nach Hartebeesport.

Milch und Käse

Nach kurzer Zeit erreichen wir den Betrieb Jasmyn Dairy. Im schönen Garten haben die Gastgeber für uns einen Lunch bereitet, ehe wir zur Betriebsbesichtigung aufbrechen.

Jerseys
Der Jungtierbereich

In den Offenställen schauen uns 700 Jersey-Milchkühe mit rehbraunen Augen an und wackeln mit ihren Puschelohren. Jeden Tag um 5.00 Uhr und um 15.00 Uhr öffnet sich für die Tiere ein gewaltiges Karussell, lockt sie mit Getreidepellets in einen Stand und nimmt sie für eine Runde mit auf die Reise.Melkkarusell

Wärend sie nun vorne friedlich fressen, zapft man ihnen am hinteren Ende die Milch aus den Eutern. Im Schnitt sind dies über 20 Liter pro Kuh.

Molkerei
Die Molkerei des Betriebes

Die fett- und proteinreiche Milch gibt besten Käse, welcher nur wenige Meter weiter in der eigenen Molkerei hergestellt wird. Ein weiterer Betriebszweig ist der Gemüseanbau. Sämtliche Produkte werden im riesigen SB-Markt verkauft. Eine neue Mühle beherbergt Restaurant und Café.

Die Kunden hat man vor der Tür. Es sind Leute aus Johannesburg, Pretoria und die Urlauber in den Ferienhäusern am nahe gelegenen Stausee. Bemerkenswert sind die vielen halbfertigen Produkte im Markt, z. B. Obstsalat, geschnittenes Gemüse, geschälte Kartoffeln, fertiger Teig in der Flasche für Muffins.

Mühle
Mühle mit Café

Alle Rohstoffe bleiben im Betrieb. Man nennt das »Geschlossenes System«. Eigene Bio-Abfälle als auch die der Stadt mischt man mit Molke und Gülle. Der entstandene Kompost wird wieder auf die Felder gebracht.

Bewirtschaftet wird die Farm von einer Familie. Nach dem Tod ihres Mannes hat Mutter Jasmyn die Oberherrschaft und alle Fäden fest in der Hand. Die drei Söhne führen jeder einen Bereich und der Betriebsleiter ist der Troubleshooter.
Es werden 220 Menschen beschäftigt. Die Erntehelfer kommen oft aus Mosambique, Sambia oder Nigeria.

Schweinefleisch

Wir verlassen die Farm und fahren über staubige Feldwege zum Betrieb von Hugo Meyer. Seine Vorfahren sind 1860 in Südafrika eingewandert. Seit 1979 ist er auf der Farm angestellt. Im Jahr 2009 hat er sie gekauft. Er betreibt Schweinezucht vom Ferkel bis zum schlachtreifen Tier. Hier in Südafrika werden die Schweine bereits mit einem Lebendgewicht von 70-80 kg geschlachtet, in Deutschland erst mit 110 kg. Dadurch entfällt das Kastrieren der männlichen Tiere, da sie noch nicht geschlechtsreif sind. In den Fleischfabriken gibt es viele deutsche Metzger, die eine vorzügliche Wurst herstellen.

Schweine/Südafrika
Die Zuchtsauen

Die Farm liefert pro Jahr ca. 1 Millionen kg Fleisch. In Südafrika liegt der pro Kopf Verbrauch bei 4 kg Schweinefleisch/Jahr, in Deutschland dagegen bei 60 kg.

Die Farm liegt eingebettet zwischen 2 Bergketten. Eine davon reicht von hier über Pretoria bis zum Krügerpark. Die Magaliesberge sind wie der gleichnamige Fluss und eine Stadt nach einem bedeutenden Häuptling benannt. Jenseits der Gipfel betreibt man Bergbau.

Stall Südafrika
Blick zu den Bergen

Hugo hat 50 Arbeiter beschäftigt, die eine Arbeitszeit von 90 Stunden in zwei Wochen haben und danach von Samstag bis Montag frei. Alle Beschäftigten wohnen in der Woche auf der Farm. An den freien Tagen besuchen sie ihre Familien, die jenseits der Berge leben.

"Schwarze" oder "Dunkelpigmentierte einheimische Bevölkerung"

Siehe bei Bedarf auch Wikipedia

Auf der Farm geht es gemächlich zu. Wir können beobachten, wie die Schwarzen im Schlendergang zu den Ställen „eilen“. Übrigens verwende ich den Begriff »Schwarze« hier ohne jegliche rassistische Hintergedanken, sondern weil sich die dunkelhäutigen Menschen hier selbst auch als Schwarze bezeichnen, genauso wie wir uns Weiße nennen. Dabei habe ich in keinster Weise das Gefühl oder Bedürfnis über ihnen zu stehen. Gut Beschrieben in Nelson Mandelas Biografie

Futter, Wasser, Rollrasen

Das Futter besteht aus gemahlenem Mais, Sojaschrot (beides aus Südafrika) und Vitaminen (USA, China). Es wird selbst zusammengemischt.

Futter
Futterkammer

Hugo hat ca. 600 Sauen. Jede trinkt 70 ltr. kostbares Wasser/Tag. Dabei kommt der eigene Brunnen an seine Grenzen. Aufgrund fehlenden Wassers ist Pflanzenanbau auf der Farm nicht möglich. Mit der Gülle wird der Rollrasen gedüngt, dessen Produktion als zweites Standbein des Betriebes gilt. Herkömmliche Landwirtschaft allein (Fleisch, Milch, Wolle) ist wie überall in der Welt zu risikoreich und bringt wegen starker Preisschwankungen kaum mehr nennenswerte Gewinne.

Das Leben auf der Farm ist anstrengend. Immer wieder gibt es neue Vorschriften, neue Abgaben, neue Gesetze. Viel Geld verschwindet in ungeklärten Kanälen. Durch die Landreform bekommen Schwarze Grund und Boden, die weder eine Farm wollen, noch über Grundkenntnisse zur Bewirtschaftung verfügen. Andere dagegen, die gern Land hätten, erhalten keins.

Hugo Meyer plant daher, die Schweinezucht auslaufen zu lassen und verstärkt die Pekannuss – Plantage zu betreiben. Auch besitzt er einige Antilopen, die sich zu ihm verlaufen haben. Diese will er züchten und an die Gameparks verkaufen, welche Jagden für Touristen anbieten. Ein lukratives Geschäft, berichtet er. Zum Ende des Besuchs fahren wir mit dem Bus auf Feldwegen dritter Ordnung zur griechisch orthodoxen Kirche auf den Berg. Jedes Jahr am 16. Dezember wallfahrten Zyprioten hierher. Bei Wein, Wasser oder Saft genießen wir den grandiosen Ausblick auf die Landschaft.

Südafrika
Herrlich, dieser Ausblick

Pretoria

Zurück geht es nach Pretoria. Unterwegs sind viele Menschen. Ihr Arbeitsweg beträgt oft mehrere Kilometer, manchmal bis zu 20 km. Busverbindungen gibt es keine, nur die Afrika-Taxis. Das sind Minibusse, welche zwischen Township und Stadt pendeln. Per kompliziertem Hand-Winksystem vermitteln die Anhalter an der Straße, wo sie hinfahren wollen. Voll beladen sitzen in diesen Kleinbussen (mit 8 Sitzen) bis zu 25 Personen. Es wird gestapelt, der »Kuschelfaktor« wird dabei deutlich überschritten. Das Ganze ist Mafia ähnlich organisiert. Als die Verwaltung Buslinien einrichten wollte, endete ihr Vorhaben mit toten Busfahrern. Die Busse gibt es noch, allerdings traut sich niemand sie zu fahren.

Pretoria
Pretoria

Das Leben findet auf der Straße statt. Obwohl es den meisten Menschen hier an Geld fehlt, hat beinahe jeder ein Handy und telefoniert auch fleißig damit. Dieses ständige Kommunizieren und das Gewusel auf der Straße erinnert mich an einen Ameisenstaat.
Die Townships der großen Städte liegen an den Randgebieten. Es fehlt an sanitären Anlagen, obwohl überall Dixi-Toiletten aufgestellt sind. Der Müll liegt oft vor den Zäunen, wir aber dort aber abgeholt.

Südafrika hat Probleme

Südafrikas Bevölkerung zählt offiziell 45 Mio. Menschen, dazu kommen ca. 15 Mio. illegale Zuwanderer aus den umliegenden Staaten, da die Landesgrenzen für jeden leicht zu überschreiten sind. Niemand kennt eine genaue Zahl. Böse Zungen behaupten, dass der Großteil der Bevölkerung von Mosambique bereits in Südafrika lebt. Das ist ein großes Problem vor allen Dingen bei der Arbeitslosigkeit und der Slumbildung. Die Regierung hat ein Programm aufgelegt, wonach 1 Millionen Häuschen gebaut werden sollen. Man sieht auch überall, wie daran gearbeitet wird. Doch kommt man durch die Zuwanderung in den Städten gar nicht hinterher. So sieht man besonders in der Gegend um die großen Orte die obligatorischen Blechhütten auf engstem Raum.

Pretoria
Universität in Pretoria

In Menlotown, einem Vorort von Pretoria beziehen wir unser Hotel. Abends gibt es im „Grillhaus Dosh“ leckere Steaks und Burger. Nach einem langen Tag sehnen sich alle ins Bett.

Wie geht es weiter

Auf unserer Reise erfahren wir in den nächsten Tagen weitere Besonderheiten der Lebens- und Arbeitsbedingungen Südafrikas. Vieles hier können wir nicht begreifen, ist für uns unvorstellbar. Warum eigentlich? Wir registrieren es in Deutschland nicht. Weil es zu weit weg ist und uns nicht direkt betrifft. Wir diskutieren doch viel lieber über unsere Probleme. Ja, wenn dort eine Fußballweltmeisterschaft stattfindet, berichten Presse und Fernsehen ausgiebig, danach wird es wieder still.

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