Südafrika – Sicherheit mit Stacheldraht

Farm in Südafrika

Bereits auf der Fahrt in Richtung Südosten gewinnen wir zahlreiche Eindrücke vom Land und seinen Problemen. Sicherheit geht vor und so sollte man sich auch verhalten, um nicht mehr als Geld oder Auto zu verlieren. Bestätigt bekommen wir dies bei unseren Farmbesuchen. Regelmäßig werden Tiere gestohlen, teils in solchen Mengen, dass dies schon organisierte Strukturen voraussetzt. Auch im Umgang mit Waffen darf man nicht zimperlich sein. Zögern kann hier tödlich sein. Man muss einschätzen, wieweit man Hab und Gut mit dem Leben schützen sollte.

Trotzdem soll der Artikel mehr auf das normale Leben fixiert bleiben. Die moderne Holzproduktion, Regenwürmer zur Kompostierung oder auch die langen Schulwege, spannende Erlebnisse für mich.

 

Von Pretoria nach Vryheid

Um 7.45 Uhr startet Ashley den Motor. Über die N 4 fahren wir durch die Weiten Südafrikas in Richtung Vryheid. Hier ist Linksverkehr und das Gehirn suggeriert mir beim Blick durch die Frontscheibe immer wieder »Rechts!« Auf den Autobahnen darf rechts und links überholt werden.

N4 südafrika
Unterwegs auf der N4

Autoklau

Belebt bedeutet Sicherheit
In belebten Gebieten wirkt alles normal

Neben den Straßen sehen wir weite Maisfelder. »Mielies, Food for Nation«, ist auf einem Schild zu lesen. Andere Schilder dagegen warnen, besonders vor Kreuzungen in der Gegend von eMahlaleni bzw. Matthews Posa: „CRIME ALERT – NO STOPPING«, »HI JACKING« oder »ALWAYS SEE 3«. Autoklau ist hier beinahe an der Tagesordnung.
Einer steht am Straßenrand und bedroht den Fahrer eines anhaltenden Wagens mit dem Messer. Zwei weitere steigen zu, werfen den Fahrer hinaus und weg ist das Auto. Wer sich zur Wehr setzt, kommt meist weniger glimpflich davon. Die Häusersiedlungen der Ortschaften sind mit einer Mauer umgeben. Darauf rollenweise Stacheldraht. Ein Wachschutz ist ständig vor Ort. Aber auch die Behausungen aus Holz und Wellblech sind mit Stacheldraht gesichert.

Sicherheit für Leib und Leben
Nicht ganz ungefährlich

Strom aus Kohle

Neun von zehn Autos haben die Farbe weiß. Baustellen auf der Nationalstraße sind mit alten Reifen abgesperrt.
Linker Hand taucht ein Kohlekraftwerk auf. Die gesamte Stromversorgung ist verstaatlicht. In der Vergangenheit wurde vergessen, dass man hin und wieder auch mal investieren sollte. Dadurch kam es sehr oft zum Stromausfall. Aber zur Fußball-WM wurde alles neu gemacht. Allerdings sind Filteranlagen bis heute Mangelware.
Wir sehen zahlreiche Steinkohlegruben, Laster transportieren das schwarze Gold, wirbeln Dreck und Staub auf. Rückstände gelangen ins Wasser. Die Bauern beklagen, dass oftmals die Tiere, welche Wasser aus den Bächen und Flüssen trinken, tot umfallen. Auch aus den Goldminen gelangen Abwässer in die Flüsse.

Halde zur Sicherheit umzäunt
Material für Schotterstraßen und Stacheldraht entlang der Straßen

Durch die Industriegegend Witbank, dem heutigen Mahlom, fahren wir in Richtung Bethal. Die Straße wird immer wieder saniert. Durch die zahlreichen Kohle-Transport-LKWs unterliegt sie einer starken Abnutzung. An Kreuzungen heißt es langsam fahren, denn Rechts-vor-Links-Regeln gibt es nicht. Man fährt im gegenseitigen Einvernehmen. Abraumhalden, stillgelegte Anlagen, Kohlezentren von BHP Billiton wechseln sich ab.Zufahrt

Wir biegen ein auf die R 35 und lassen die Kraftwerke endlich hinter uns. Endlose Weite und kaum Bäume soweit das Auge reicht. Ackerbau, hauptsächlich Soja und Mais wechseln mit Weiden für die Viehzucht ab. Hier hat die Erde eine rote Farbe. An der Kreuzung zur N 17 fahren wir in Richtung Morgenzon. Das Landgut Janvos von Vos Grey in Davel steht auf der Besuchsliste.

Farm, Zäune zur Sicherheit
Die Farmen befinden sich in einem TOP-Zustand

Landhaus mit dicken Gittern

Wir werden sehr herzlich empfangen. Mrs. Grey und eine Mitarbeiterin kredenzen auf feinstem Porzellan typisch afrikanisches Fingerfood, dazu gibt es Roibuschtee und Kaffee. Lecker.Landhaus

Im Haus fallen uns die schweren Eisengitter auf, die sowohl die Fenster sichern, als auch einige der Innen- und Außentüren. Jede zweite Tür ist vergittert. Bei Überfällen gewähren sie so lange Schutz bis Verstärkung kommt. Nachts kann man Beruhigter schlafen.Das ist nicht unwichtig. Derzeit werden durchschnittlich pro Tag 2 Farmer in Südafrika ermordet. Gründe dafür Habgier, Neid, Missgunst, Streit um Landrechte.

im Stall
Offenställe

Das Landgut wurde in 1970 gegründet und umfasst 3.600 Hektar. Es werden Holsteiner Milchkühe gehalten. Die Ackerfläche ist jeweils zur Hälfte mit Mais und Soja bepflanzt wie es die Farmer in den USA machen. Ein weiterer Erwerbszweig sind Apfelplantagen mit der Sorte „Gala Royal“. Der Export erfolgt über Holland nach Europa. Als nette Geste erhalten wir zur Verabschiedung eine große Kiste Äpfel. Drei Tage zehren wir mit zwanzig Personen davon.

Besichtigung in weißem Zwirn

Wir fahren weiter zur Farm von Walter Thiele nach Lüneburg, welches hier am Schwarzwald liegt. Die Namen zeugen noch heute von Siedlern mit deutschen Wurzeln. Thieles Farm ist 3.200 Hektar groß. Begrüßt werden wir von Bradford-Rindern, die ein Mitarbeiter heute extra zur Weide an der Straße treiben musste, damit wir sie gleich sehen.

Bradford-Rinder
Bradford-Rinder

Sie sind eine spezielle Züchtung aus hitzetauglichen indischen Brahmanen und englischen Herford Rindern. Daneben bevölkern die Farm 400 Kühe, ca. 100 Bullen und 800 Sauen. Angebaut werden Mais und Soja. Die Farm ist ein geschlossenes System, d.h. es bleibt alles innerhalb des eigenen Kreislaufs. Pflanzenreste und Gülle werden unter Zusatz von Mineralien und speziellen Regenwürmern kompostiert. Nachdem uns Frau Thiele eine Erfrischung gereicht hat, ziehen wir weiße Einmaloveralls an und Gummistiefel, klettern auf die Ladefläche eines Pick-up und sausen zur Besichtigung des Schweinestalls.

Transport
Personentransport in Südafrika

Diese Art ist übrigens eine sehr beliebte Art der Beförderung von Mitarbeitern. Man sieht dieses System sowohl auf den Farmen als auch auf den Straßen. Besonders morgens liegen die Südafrikaner auf den Ladeflächen und schlafen noch ein bisschen auf dem Weg zur Arbeit.

Schulwege

Herr Thiele erzählt uns eine schöne Geschichte. Der Schulweg der Kinder des nahe liegenden Dorfes ist 10 km lang. Um ihnen diesen Weg etwas zu erleichtern, wurden Fahrräder angeschafft. Jede Familie bekam eines, damit abwechselnd jeweils ein Kind damit in die Schule fahren konnte. Nach drei Tagen beobachtete man, dass die Fahrräder von den Kindern geschoben, statt gefahren wurden. Auf die Frage nach dem Warum kommt die Antwort: „Wenn wir fahren sind wir so früh zuhause und dann müssen wir gleich bei der Arbeit helfen. Die Geschwister, die laufen brauchen das nicht, denn sie kommen später.“ Also laufen alle Kinder weiterhin den weiten Weg.Südafrika

Neue Dimensionen der Holzernte

Dann besuchen wir Thieles zweiten Betriebszweig und fahren in ein Waldgebiet. Hier ist die Holzproduktion der große Renner. Wie auf einem normalen Feld werden hier allerdings Bäume angepflanzt. Black Wattle (Akazienart aus Australien, Pine (Kiefer) und Eukalyptus.

Holzernte
In 4 Wochen stehen hier wieder neue Pflanzen

Die Pine stehen max. 25Jahre, die anderen Bäume werden nach 8-10 Jahren geschlagen. Wir besichtigen ein Stück, wo Akazien gefällt wurden. Die Rinde ist am wertvollsten. Sie wird in Handarbeit geschält und wird für Gerbzwecke weiterverarbeitet. Die Arbeiter werden hier nach Leistung bezahlt und verdienen zwischen 650 und 2000 Rand (40-120 €) im Monat.

Holzerte
Arbeiter beim sortieren der Stämme

Die Holzstämme werden zu den Häfen transportiert und gelangen von dort nach Asien und Norwegen. Abfallholz verarbeitet man als Holzkohle. In 4 Wochen stehen hier wieder neue Pflanzen.
Hierzu mal einige Daten:

1. Black Wattle (stammt aus Australien)
Einschlag nach 10 Jahren Ertrag: 120 to / ha
Verwendung: Borke = Lederindustrie, Klebstoffzusatz Holz = Papier / Brennmaterial Kleinholz = Holzkohle

2. Kiefer (Pine)
Einschlag nach max. 25 Jahren Ertrag: 500 to / ha
Verwendung von Holz = Papier / Baumaterial

3. Eukalyptus (Gummibaum)
Einschlag nach 8-10 Jahren Ertrag: 250 to / ha
Anbau hauptsächlich, um auch im Winter Arbeit für die Mitarbeiter zu haben Verwendung: Brennmaterial

Die Anpflanzung von Black Wattle bringt aufgrund der höheren finanziellen Erlöse Vorteile gegenüber dem Eukalyptusbaum.

Verwunschene Pfade

Herr Thiele empfiehlt uns einen landschaftlich besonders reizvollen Weg zur Hauptstraße. Er würde vorweg fahren und ein Mitarbeiter hinter unserem Bus zum Öffnen und Schließen der Gatter. Er entschuldigt sich vorher, dass an der Strecke zwei Familien leben würden wie früher, ohne Strom und Wasser. Es ist ihm peinlich. Sie wollen nicht in Steinhäuser ziehen, obwohl Thieles ihnen alles Baumaterial kostenlos zur Verfügung stellen würden.wege
Wir fahren los. Landschaftlich schön ist der Weg auf jeden Fall, aber nicht geeignet für einen Bus. Trotz der vorsichtigen Fahrweise von Ashley kommt der Bus ins Rutschen und schrammt gegen einen Stein. Wir hoffen, Ashley bekommt keinen Ärger, aber der winkt lässig ab, als er den Schaden begutachtet.wege

Deutsche Region

In unserer Zielregion um Vryheid wohnen viele deutschstämmige Südafrikaner. Sie heiraten zumeist untereinander, pflegen die deutsche Sprache und Kultur und gehören überwiegend der evangelisch lutherischen Kirche an. In den Kirchen wird hauptsächlich deutsch gepredigt. Ortsnamen wie Augsburg, Braunschweig, Hildesheim oder Lüneburg zeugen von der deutschen Besiedlung.Sonnenuntergang

In der Dunkelheit

Es ist bereits dunkel, als wir die Shonalonga Lodge in Vryheid erreichen. Wir beziehen unsere Appartments, ziehen uns um und gehen gemeinsam zu Abendessen. Es gibt typische Burenkost (Bauernkost) an einer üppig gedeckten Tafel. Aufgetischt wird Bobotie (leider etwas fad), Chickenpaté (sehr würzig und lecker), süße Kürbisklößchen, Knoblauchkartoffeln, Reis, Bohnen in Cremesoße und Salat. Zum Nachtisch serviert man uns zuckersüße Küchlein mit Sweet Vaniliacream und Eis.
Nach dem Essen sitzen wir noch lange beisammen und lassen den Tag Revue passieren. Als ich mit Elvira zurück zum Hotel gehe, ist die Straße stockfinster. Warum ist die Straßenbeleuchtung aus, wenn man andererseits mit Stacheldraht und Gitter zu schützen versucht? Nein, Angst haben wir hier nicht, wahrscheinlich weil wir nicht glauben, dass hier ein Räuber auf seine Opfer lauert, denn außer uns ist um diese Zeit niemand mehr auf der Straße.
Nachdenklich gehen wir zu Bett, vergleichen das Leben hier mit Deutschland. Dann übermannt uns der Schlaf...

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